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Istanbul

Orientiert in İstanbul

Der Bosporus, die Seele İstanbuls

İstanbul gehört zu den faszinierendsten Städten der Welt, und teilt man die Meinung Alexander von Humboldts, dann ist İstanbul sogar die schönste Metropole überhaupt. Kein Wunder: Als einzige Stadt auf unserem Globus erstreckt sie sich über zwei Kontinente. Dazwischen liegt der Bosporus, die Meeresenge zwischen Schwarzem Meer und Marmarameer. Auf einer Länge von rund 30 km mäandert er durch die Stadt, mal ist er nur 700 m breit, mal 2,5 km. Drei Brücken überspannen, zwei Tunnels unterqueren ihn. 39 Stadtteile erstrecken sich rechts und links des Bosporus, 25 davon auf der europäischen Seite. Die asiatische Seite ist übrigens weder „orientalischer“ noch ruhiger als ihr europäischer Gegenpart.

Touristische Hotspots

Das Goldene Horn, das die europäische Seite İstanbuls durchschneidet, ist ein vom Bosporus abzweigender Meeresarm. Die Landmasse, die vom Goldenen Horn im Norden, dem Bosporus im Osten und dem Marmarameer im Süden umgeben ist, wird gemeinhin als „historische Halbinsel“ bezeichnet. Hier erstreckt sich, bis hin zur byzantinischen Stadtmauer im Westen, das alte „Stambul“. Die İstanbul-Titelmotive sämtlicher Bildbände und der Wandschmuck vieler Dönerbuden sind hier zu Hause: Topkapı-Serail, Blaue Moschee, Hagia Sophia, Großer Basar und, und, und … Kuppeln und Minarette sind nächtens illuminiert, um den Klischees aus 1001 Nacht zu entsprechen.

Wer aber wissen will, wie İstanbul wirklich tickt, muss auch die Stadtteile nördlich des Goldenen Horns gesehen haben. Dort zeigt sich İstanbul als Schmelztiegel an Innovation, moderner

Lebensfreude und jugendlicher Aufmüpfigkeit, als Trendsetter des Landes. İstanbul-Fortgeschrittene schließlich zieht es auch in die noblen Bosporus-Orte und auf die asiatische Seite. Es gibt viel zu entdecken in der Megacity. Aber nicht überall herrschen Glanz und Gloria wie in den Vorzeigevierteln. In den unendlichen Wohnstädten dominieren Alltags-Tristesse und architektonische Einfallslosigkeit.

Rumkommen

„Man muß viel laufen in Stambul. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat, ist diese Stadt schwierig.“ Vor vielen Jahrzehnten schrieb Erich Kästner diese Zeilen. Bis heute hat sich wenig daran geändert. Das liegt v. a. daran, dass İstanbuls öffentliches Nahverkehrssystem weniger darauf abgestimmt ist, die Wege der Touristen zwischen den zentralen Stadtteilen zu verkürzen, sondern vielmehr darauf, die İstanbuler von den Vororten ins Zentrum zu befördern. Laut dem TomTom Traffic Index steht man weltweit in keiner Stadt länger im Stau als in İstanbul (Zeitverlust im Jahr: 142 Stunden). Um des ewigen Verkehrschaos Herr zu werden, wird die Metro ständig erweitert – 170 km Metronetz befanden sich allein 2022 im Bau. Nur: In einer Stadt, die schneller wächst, als Verkehrsplaner handeln können, sind Erfolge von kurzer Dauer.

Der öffentliche Nahverkehr setzt sich aus Fähren, Straßenbahnen, der Metro, Bussen und Sammeltaxis zusammen (für Details → S. 234). Nicht selten bedarf es einer Kombination aus verschiedenen Verkehrsmitteln, um zum Ziel oder zumindest in dessen Nähe zu gelangen. Heben Sie sich im Anschluss ein Lächeln für ein paar Meter in die falsche Richtung auf. Verirren ist in dieser Stadt Programm.

In der Rubrik „Praktische Infos“ am Ende der jeweiligen Stadtteilkapitel finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Verkehrsverbindungen innerhalb eines Stadtteils und darüber, wie Sie diesen erreichen.

Wo wohnt man am besten?

Wer sich als früher Vogel in den Partygassen von Beyoğlu oder Kadıköy einmietet oder als ausgehfreudiger Mensch im nachts toten Laleli, hat etwas falsch gemacht. Das richtige Hotel am richtigen Platz ist in İstanbul deutlich wichtiger als in anderen Metropolen Europas. Im Kapitel „Übernachten“ finden Sie die interessantesten Standorte für Touristen mit ihren Vor- und Nachteilen kurz beschrieben. Falls Sie mit der Entschlüsselung der Adresse Ihres Hotels oder Ihrer Ferienwohnung Schwierigkeiten haben, so erfahren Sie alles dazu auf S. 247.

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