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Kykladen

Erlebnis Natur

Archaische Schönheit

Nur wenige Schritte abseits der Urlaubszentren kann man sie noch erleben, die Ursprünglichkeit der uralten Ägäisinseln. Man spürt den warmen Seewind, atmet die Düfte der Kräuter und entdeckt die archaische Schönheit des griechischen Südens. Den Gegensatz von geschäftigem Trubel und völliger Stille – nirgendwo wird man ihn besser kennenlernen als auf den Inseln der Kykladen. Das entfernte Bimmeln von Ziegenglocken, das Summen von Insekten, das Knirschen der Steine unter den Füßen, das Geräusch des eigenen Atems, weit draußen zieht eine schneeweiße Fähre vorüber ... Eindrücke, die man so rasch nicht vergisst.

Pflanzenwelt

Das fast vollständige Fehlen von Wald ist ein beherrschendes Merkmal der Kykladen. Überall kommt der nackte Karstfels zum Vorschein, bedeckt von teils undurchdringlicher Macchia und kniehoher Phrygana mit duftenden Kräutern. Die Vegetation zeigt sich auf den ersten Blick spärlich. Zypressen, Eukalyptusbäume und Palmen setzen hier und dort Akzente, nur auf wenigen Inseln gedeihen silbrig-grüne Olivenbaumplantagen. Gegen Ende der Regenzeit im März/April zeigt sich die Natur von ihrer schönsten Seite – die Karstflächen verwandeln sich in Blütenmeere, über allem hängt das vibrierende Summen emsiger Insekten.

Macchia: Sammelbegriff für krüppelwüchsige Bäume und Sträucher, die als dorniges Gestrüpp von 2–4 m Höhe die Felsen überwuchern: Dornginster, Myrte, Stechwinden, Lorbeer, Wacholder, Mastixsträucher, außerdem Steineiche, Kermeseiche, Johannisbrot- und Erdbeerbaum. Die Macchia ist eine verarmte Ersatzgesellschaft für den Wald und für die Kykladen wichtig, da sie die Verkarstung aufhält.

Phrygana: Unzählige kugelige Büsche und Sträucher bis höchstens Kniehöhe bedecken weitflächig die Felsregionen. Wichtige Vertreter sind Salbei, dornige Wolfsmilch, Asfodelos und Dornbibernelle, Euphorbien- und Zistrosenarten. Die Phrygana ist die typische Vegetation der Inseln, die man überall sieht – und vor allem spürt, denn sie ist dornig und stachlig, was ihr das Überleben garantiert.

Kräuter: Oregano, Thymian, Majoran, Salbei, Basilikum, Bohnenkraut, Rosmarin u. v. m. – als knöchelhohe Büschel duften sie überall in der Phrygana. Reichlich Wind und Sonne, der hohe Mineralgehalt der kargen Böden und die spaltenreichen Kalk- und Schiefergesteine bieten ideale Wachstumsbedingungen. Ihr Wirkstoffgehalt ist hoch und sie sind kaum mit Schadstoffen belastet.

Insel Náxos: Die größte der Kykladen ist für viele auch die schönste. Bergig, fruchtbar grün und landschaftlich vielfältig. Olivenhaine bedecken die Hochebenen im Inselinneren.

Insel Santoríni: Die weltberühmte Vulkaninsel bietet das pure Kontrastprogramm zum grünen Náxos – kein Baum, kein Strauch, dafür bizarre Kraterlandschaften mit farbenprächtigen Lava- und Gesteinsschichten.

Problemfeld Wasser

Von Juni bis Mitte September regnet es auf den Kykladen so gut wie gar nicht. Die regelmäßige Wasserversorgung ist deshalb eines der drängendsten Probleme der Inseln. Viele traditionelle Häuser besitzen Zisternen, wo in der kühlen Jahreszeit das kostbare Nass vom Himmel aufgefangen und in Tanks gespeichert wird – ohne sie wären die Inseln schon seit Jahrhunderten unbewohnt. Auf Mýkonos hat man bereits in den 1990er Jahren zwei große Wasserspeicher angelegt, die in der Landschaft wie Seen wirken. In ihnen wird das Regenwasser gesammelt, um es im Sommer mit Tanklastwagen in die Inselorte zu bringen. Solche Speicherseen gibt es mittlerweile auch in den Bergen von Íos, Páros und Náxos. Doch in den letzten Jahren blieben die Regenfälle aus und die Seen sind halb leer. Im Sommer sind deshalb Wassertankschiffe vom Festland permanent im Einsatz. Meerwasser-Entsalzungsanlagen können auf einzelnen Inseln ein Stück weit Entlastung bringen, doch die Produktion ist teuer und oft werden sie noch mit fossilen Brennstoffen betrieben, hauptsächlich Diesel. Der Tourismus mit seinem vehementen Wasserverbrauch verschärft die Situation dramatisch.

Insel Ándros: Auf der grünen, festlandsnahen Insel gibt es so viel Quellwasser, dass nicht nur die gesamte Insel versorgt wird, sondern auch den Nachbarinseln geholfen werden kann – eine große Ausnahme auf den Kykladen.

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