Unterwegs mit Johannes Kral

Johannes Kral

Über Umwege hatte es mich im Herbst 2011 nach Mainz verschlagen. Dass die Karnevalshochburg am Rhein mir als fränkischem Faschingsmuffel gewisse Schwierigkeiten bereiten würde, war mir damals nicht bewusst. In meiner alten Heimat hatte ich mich dem Trara ganz gut entziehen können. Damit war es in Mainz ab Januar aber vorbei: Beim Bäckerbesuch musste ich mit weiß gekleideten Prinzen und ihrer Eskorte aus hochrangigen Ranzengardisten um die letzte Quarktasche streiten. Draußen auf der Straße beobachtete ich dann zwei Herren im blaulichtgeschmückten Karnevalswagen, die einem jugendlichen Golf-Fahrer die Überprüfung seines Restalkohols ermöglichten. „Restalgehol an Karneval!? Gibt’s bei uns nit. Mir dringe brav ach die Reste!“, entgegnete der Meenzer Bub und deutete als Beweis auf die zwei Dutzend Bierdosen auf der Rückbank, denen auch die letzten Tropfen Gerstensaft in der Nacht zuvor fachmännisch entzogen worden waren.

Als ich schließlich am Rosenmontag beim Versuch, dem närrischen Spuk zu entfliehen, feststellte, dass der Bahnhof von betrunkenen Gießkannen und vollschlanken Ballerinas mit behaarten Beinen belagert wurde, wusste ich: Ich würde mich dem alljährlichen Spektakel nicht entziehen können. Zum Glück ist die effektivste Überlebensstrategie in der närrischen Zeit absolut simpel: Pappnase oder Hütchen auf und einfach mitfeiern – Helau Mainz!

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